Von Michael Nikbakhsh. Stefan Lassnig hat wieder mal vorbeigeschaut, wir sprechen über unseren Buchverlag Edition Lauter und das nahende Freimaurer-Buch von Peter Gnaiger, das am 18. Oktober in der Kulisse Wien vorgestellt wird. Diese Buchpräsentation wird insofern speziell, als wir zwar den Autor und den Verlag auf der Bühne haben werden – aber kein Buch. Tatsächlich verzögert sich die Auslieferung um ein paar Tage, weil der ORF-Journalist Martin Haidinger beim Oberlandesgericht Wien eine Einstweilige Verfügung gegen die Verwendung unseres ursprünglich geplanten Titels „Unter Brüdern – Die Freimaurer-Leaks“ erwirkt hat. Haidinger hatte vor 19 Jahren einen Kriminalroman mit dem Titel „Unter Brüdern“ veröffentlicht und macht nun Urheberrechte geltend. Dies ungeachtet der Tatsache, dass in den vergangenen Jahrzehnten unzählige Bücher, Filme und Artikel unter ebendiesem Titel erschienen sind und dies in völlig unterschiedlichem Kontext. Der ORF-Journalist hatte zunächst (ohne vorangehende Information an uns) am 3. September eine Unterlassungsklage – Streitwert mehr als 60.000 Euro – und einen Antrag auf Einstweilige Verfügung (EV) beim Handelsgericht Wien eingebracht. Der EV-Antrag wurde von der Erstrichterin tags darauf abgewiesen, weil ihrer Erkenntnis nach keine Verwechslungsgefahr bestünde. Der Kläger ging daraufhin vor dem OLG Wien in Rekurs – und bekam am 15. September in zweiter Instanz Recht. Das OLG bejahte die Verwechslungsgefahr zwischen dem Kriminalroman aus dem Jahr 2007 (der im Milieu der Studentenverbindungen spielt) und einem Sachbuch über die Freimaurerei 19 Jahre danach. Die Entscheidung des OLG fiel innerhalb von drei Werktagen – ohne, dass wir Gelegenheit gehabt hätten, uns zu äußern. Der Verlag Edition Lauter wurde im EV-Verfahren weder in der ersten noch in der zweiten Instanz zu einer Stellungnahme aufgefordert – und es wurde uns gegenüber laut unserem Rechtsvertreter Michael Borsky nicht ausreichend begründet, warum wir nicht angehört wurden. Auch zur eigentlichen Unterlassungsklage vom 3. September dürfen wir uns nicht bei Gericht äußern. Das Handelsgericht Wien hat dem Verlag kürzlich schriftlich und unmissverständlich aufgetragen, die Klage bis auf Weiteres nicht zu beantworten. Das Buch erscheint nun Ende Oktober unter dem Titel „Die Freimaurer-Leaks“ – mit schwarzen Balken am Cover.